Quelle: Lichtensteiner Anzeiger 01/2014/ Rubrik: Kommunale Informationen
Um es gleich zu Beginn auf den Punkt zu bringen: Lichtenstein ist eine der schönsten Städte in der Region! Wer anderes behauptet, wie z. B „ … alles in Schutt und Asche gewirtschaftet“ (Leserbrief von Frau Jacobi in der Freien Presse vom 14.01.2014) oder „Lichtenstein wird eine tote Stadt.“ (Leserbrief Frau Roschobutko in der Freien Presse vom 04.01.2014) oder üble Nachrede betreibt, der will nicht oder der kann nicht das Schöne sehen. Da jedoch all jene, die jetzt plötzlich auf den Plan treten, um z.B. die Stadt mit dem „Uni“ zu „retten“, gut sehen können, bleibt nur noch die Vermutung übrig, dass diese nicht sehen wollen. Das hat dann aber nichts, aber auch gar nichts mehr mit „Suchet der Stadt Bestes“ zu tun.
Das „Uni“:
Es steht noch – und wenn alle, die jetzt schrankenlose Nostalgie betreiben oder in Meinungs-Aktionismus verfallen – oder sogar dazu verführt werden – aktiv mit der Tat (an Rat mangelt es schon heute nicht) dabei sind, dann steht das „Uni“ noch lange.
Fakt ist, dass es bis dato keine einzige Entscheidung über einen Abriss gibt, geschweige denn einen Abrissantrag! Dass ein Abriss eine Option sein kann, um dort eine neue Zukunft zu ermöglichen, das ist doch Denkpflichtaufgabe von Verantwortlichen in der Stadt. Das musste im Falle der „Berger-Fabrik“ z. B. gedacht und gemacht werden – obwohl dort tausende Lichtensteiner in Lohn und Brot standen. Wenn aber das Licht aus und nicht wieder an geht, dann hat die Geschichte unwiderruflich ihr Machtwort gesprochen.
Genauso spricht die Geschichte ihr Machtwort beim „Uni“. Das Haus hat doch nur dann eine Zukunft, wenn dafür ein dringender Bedarf nachweisbar und bestandskräftig ist. Seitdem das Engagement vom vormaligen Pächter im „Uni“ eben auch wegen mangelnden Bedarfs – und damit ausbleibender Wirtschaftlichkeit – aufgegeben werden musste, seitdem ist es der Rathausmannschaft bei ihren nachweisbaren Bemühungen nicht gelungen, einen neuen Pächter oder gar einen Käufer fürs „Uni“ zu gewinnen, ja zu begeistern. Zum Einen ist es ein großes Haus, das viel Bewirtschaftungsaufwand nach sich zieht, zum Anderen ist die Stadt Lichtenstein zu nahe dran an den noch größeren Häusern in Chemnitz, Zwickau und Glauchau. Das haben uns die Uni-Interessenten der letzten Zeit immer wieder vor Augen gehalten. Selbst die Vorstellung das Haus als Spielstätte für das Helmnot-Theater zu nutzen ging nicht auf.
Aus den Reihen der Lichtensteiner ist ein solch großes Haus einfach nicht „ernährbar“!
Das war schon immer so, deshalb – und das haben alle heutigen Uni-Anhänger von damals vergessen – war das „Uni“ bis zur Wende auch nicht im Eigentum der Stadt, sondern wurde von einem VEB von A bis Z als betriebliches Kulturhaus finanziert!
Die Stadt hat es 1990 nur deshalb übernommen, damit es nicht schon zu diesem Zeitpunkt den „Bach runter geht“, d.h. in den Strudel der VEB-Insolvenzen gerät. Der Stadt ist es dann sogar sehr schnell gelungen, im Jahr 1991 den Pächter Dieter Friedl zu gewinnen, welcher mit unglaublicher Kraftanstrengung das große Haus bis 2009/2010 für die Öffentlichkeit vorgehalten hat, dann waren auch seine Möglichkeiten erschöpft. Tempora mutandor: die Zeiten ändern sich – und damit auch die Gewohnheiten der Menschen. So war es schon immer und so wird es auch in Zukunft sein. Dabei sind wir in Lichtenstein genauso angesprochen, wie es der amerikanische Präsident …??? einmal zu seinen Landsleuten gesagt hat: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage, was du für dein Land tun kannst!“
Und solange kein Nutzer sein Nutzungskonzept auf den Tisch legt, solange wäre es unfair, Zeit- und Kraftverschwendung, wenn jemand gratis „…ein Umnutzungskonzept für das Tanzlokal „Unionhof…“ erstellen würde.
Im Rathaus liegt für jedermann sofort einsehbar:
– ein Gutachten zu einer Nutzungserweiterung mit schallschutztechnischer Untersuchung (2003),
– eine Kostenplanung für die Umbaumaßnahmen (2003),
– ein Brandschutzkonzept (2006)
Bei Bedarf können diese vorhandenen Unterlagen sofort an die Anforderungen eines potentiellen Nutzers angepasst werden.
Fazit: Auch wenn die Städtische Wohnungsgesellschaft als 100 %-ige Tochter der Stadt Eigentümerin ist, so wird – wie schon gesagt – nichts Leichtfertiges oder Unvernünftiges mit dem „Uni“ geschehen.
Das „Kino“:
im Gegensatz zum Kino in der Stadt Hohenstein-Ernstthal, ist das Lichtensteiner Kino nicht in privater Hand, sondern schon vor der Wende im Eigentum der Stadt. Das war gut so, weil dadurch das Ehepaar Leistner das Haus mindestens 25 Jahre mit viel Aufwand und Aufopferung als Pächter für die Lichtensteiner betreiben konnte. Wir alle wissen heute, warum das Ehepaar Leistner im Jahr 2013 den Kinobetrieb aufgeben musste. Meinerseits kann ich dem langjährigen Engagement der Familie Leistner – das ich mehr als 20 Jahre miterleben durfte – nur größte Hochachtung zollen! Der Konkurrenzdruck im Kinogeschäft ist enorm, die Verleihbedingungen sind hart!
Und wie schwierig das Kinogeschäft heutzutage ist, das sehen wir am notwendigen Wandel der Technik (3D muss sein) und daran, dass bis heute von mehreren Interessenten, die hier waren und das Kino besichtigten, keiner am Ende bereit war, ernsthaft in unser Kinogeschäft einzusteigen. Das hat auch damit etwas zu tun, dass das Haus klein und die Konkurrenz im unmittelbaren Umfeld groß ist.
Folglich hat unser Kino nur dann eine Zukunftschance, wenn das Haus – wie schon mal in den 90-iger Jahren sowie vor und nach der Landesgartenschau 1996 – vom Kino, über Ausstellungen, über Kinderveranstaltungen, über Kleintheater/Puppenbühne, über Vereinsveranstaltungen, über Tanzveranstaltungen bis zu Tagungen/Treffen aller Art multifunktionell aufgestellt wird. Das hat unter anderem Herr Adelmeier folgerichtig ins Spiel gebracht.
Dabei hat das Kinogebäude im Vergleich zum „Uni“ den Verzug der nutzungsbezogenen Überschaubarkeit, sowohl investitionsseitig als auch hinsichtlich des Betriebsaufwandes.
Ich denke, Bürgerschaft, Rat und Verwaltung sollten sich im Sinne einer konzertierten Aktion zusammenschließen – so wie in Rödlitz 1996/1997 der neue Kindergarten entstanden ist – und gemeinsam ein für alle potentiellen Nutzer und Interessenten ein Umnutzungs- und Umsetzungskonzept in naher Zukunft anzugehen. Dabei sollten wir die Zielgruppe Jugend fest mit im Blick haben.
In diesem Sinne finde ich den Artikel in der Freien Presse vom 16.01.2014 gut: „Linke: Daetz-Centrum sollte Bürgerhaus werden“. Die dort formulierten Ansätze zum „Uni“, zum Daetz-Centrum, zum Museumsumzug, zum Kino und zum Sonderbus sind zwar in dem Sinne nicht ganz neu, gehen aber in die richtige und auch machbare Richtung.
Gerne werde ich diese Themen und weitere in den nächsten Ausgaben des Anzeigers wieder aufgreifen, um mit dem Engagement der Lichtensteiner dort Lösungswege zu finden, wo wirklich „harte Nüsse“ zu knacken sind. Dabei sollte es uns nicht passieren, dass wir Initiativen im Verwaltungsalltag „übersehen“. Denn: „Alles können nur Alle schaffen!“
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Bürgermeister
Wolfgang Sedner